Der DSSV und Beratungsleistungen im Sport- und Fitnessbereich

Ein Interview mit Herrn Refit Kamberovic, dem Hauptgeschäftsführer des DSSV, zur Geschichte und den Aufgaben des Verbands sowie der Rolle von Beratungsleistungen und Beratungsunternehmen im Sport- und Fitnessbereich. 

Am 16. Oktober 2014 war Michael Badtmann, Mitgründer und Berater bei der Tempomacher Consulting UG, in der Zentrale des DSSV in Hamburg zu Gast, um sich mit dessen Hauptgeschäftsführer Herrn Refit Kamberovic zu einem Interview zu treffen. Außerdem haben noch die Geschäftsstellenleiterin des DSSV Frau Sabrina Fütterer und Marilys Merkle, die ebenfalls bei den Tempomachern mitwirkt, an dem Gespräch teilgenommen. Thema war dabei die Geschichte und das Aufgabenspektrum des DSSV, der als Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen die gesamte Fitness-Wirtschaft in der Öffentlichkeit und gegenüber politischen Entscheidungsträgern, Verbänden und allen anderen Organisationen und Kammern vertritt. Ein weiterer Kernbestandteil des Gesprächs war die Rolle von Beratungsleistungen und Beratungsunternehmen im Sport- und Fitnessbereich. Zusätzlich wurden auch noch allgemeine Entwicklungen in der Fitnessbranche diskutiert.

Der von Herrn Kamberovic mitbegründete Verband feiert in diesem Jahr sein dreißigjähriges Bestehen und blickt wie die gesamte Fitnessbranche auf eine enorme Entwicklung in dieser Zeit zurück, sodass berechtigterweise von einer Erfolgsgeschichte gesprochen werden darf. Gab es nach Aussage von Herrn Kamberovic 1980 nur etwa 1.000 Fitnessanlagen, sind es heute mehr als 8.000, in denen mehr als 8,5 Mio. deutsche Bürgerinnen und Bürger trainieren. Dadurch ergibt sich eine Reaktionsquote von mehr als 10%, was Fitnesstraining zur Sportart mit den meisten Mitglieder macht und sogar die „Volkssportart“ Fußball verdrängt hat. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Kinder und ältere Menschen im Regelfall nicht in Fitnessstudios trainieren, ist die Quote noch deutlich höher. Nachzulesen sind diese Daten in den jährlich erscheinenden Eckdaten, die der DSSV in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Deloitte und der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) veröffentlicht. Herr Kamberovic sieht diese rasante Entwicklung seit den 1980er Jahren noch lange nicht am Ende und prognostiziert eine Mitgliederzahl von bis zu 12 Mio. in Deutschland. Gründe für diesen Erfolg sieht er im Bedarf der Menschen, dass Sport treiben mit einer sozialen Komponente und Wellness verbunden wird. Diese Kombination konnten bzw. können Vereine teilweise nicht bieten. Außerdem befindet sich die Fitness-Branche in einem stetigen Wandel und erfindet sich ständig neu, wobei sich Trends meist von den USA aus verbreiten. Als Beispiele führt er Aerobic und Zumba an.

Während Fußball auf eine weit über hundert jährige Historie zurückblickt und der Deutsche Fußball Bund (DFB) bereits 1900 gegründet wurde, wurde der DSSV erst 1984 gegründet, nachdem Besitzer von Fitnessstudios verstärkt mit arbeits- und steuerrechtlichen Fragen konfrontiert wurden. Herr Kamberovic erkannte den Bedarfs eines übergeordneten Verbands, da er als Kurs- und Studioleiter außerdem vor dem Problem stand, wie effizientes Marketing neben der Arbeit im Studio durchgeführt und gesteuert werden kann. Umso bemerkenswerter erscheint deshalb die rasante Entwicklung der Branche. Mit dieser Entwicklung haben sich auch die Aufgaben und die Anerkennung des DSSV verändert. Nach Herrn Kamberovics Aussage wurde man zu Beginn noch „belächelt“, doch mittlerweile hat sich dieses Bild verändert. Mehr als 200.000 Menschen sind mittleerweile in der Branche beschäftigt, wobei der DSSV zu den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft zählt und Mitglied in der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ist. Dabei ist der DSSV nach Aussage von Frau Fütterer für alle Regulierungen in den Bereichen Sozial-und Tarifpolitik sowie Berufsbildung zuständig. Vom kleinen spezialisierten Einzelbetrieb bis zum börsennotierten Fitnessdienstleister vertritt der DSSV alle Unternehmen der Branche, völlig unabhängig von der Größen-, Angebots- und Mitarbeiterstruktur. Dafür arbeiten mittlerweile 22 überwiegend junge und studierte Mitarbeiter für den Verband, sodass laut Herrn Kamberovic ein guter Mix aus erfahrenen Personen wie Frau Schwarze und ihm, die seit Beginn beim DSSV mitwirken, und den jungen und motivierten Mitarbeitern, vorhanden ist. Nach Aussage von Herrn Kamberovic, Frau Fütterer und der DSSV-Webseite werden heute verschiedene Aufgaben vom Verband erfüllt, wie z.B. der ständige Kontakt mit dem Gesetzgeber und Politikern aller Parteien, die Beratung der Mitglieder in allen betriebswirtschaftlichen, arbeitsrechtlichen, steuerrechtlichen und sozialpolitischen Fragen sowie regelmäßige Existenzgründerseminare.

Der zweite Teil des Interviews widmet sich der Rolle von Beratungsleistungen und Beratungsunternehmen. Unternehmensberatung ist auch das Tätigkeitsfeld der Tempomacher Consulting UG, deren Mitgründer Michel Badtmann das Interview geführt hat. Herr Kamberovic sieht Beratungsunternehmen als einen wichtigen Bestandteil der freien Marktwirtschaft und der Industrie. Er selbst ist neben seiner Tätigkeit beim Verband auch erfolgreich als Berater tätig. Allerdings verweist er darauf, dass die Zahl „guter“ Berater sehr gering ist, da Berater in der Regel entweder ein gutes betriebswirtschaftliches Verständnis haben oder das fachliche Metier des jeweiligen Beratungsfeldes gut verstehen. Die benötigte Kombination gibt es leider zu selten, sodass die etablierten Studiobesitzer, die schon Jahrzehnte auf dem Markt sind, nicht selten ein deutliche größeres Fachwissen als Berater, da der Begriff „Berater“ nicht allgemein definiert ist. Herr Kamberovic bemängelt, dass sich prinzipiell jeder „Berater“ nennen dürfte. Nichtsdestotrotz sind seine Erfahrungen mit Unternehmensberatungen überwiegend positiv. Der DSSV selbst steht seinen Mitgliedern durch die Zahlung des jährlichen Mitgliedsbeitrages in gewisser Weise auch als Beratung für verschiedene Themen, die im oberen Teil des Artikels genannt wurden, zur Verfügung. In der Fitnessindustrie sieht er analog zu anderen Industrien einen großen Bedarf für Beratungen, wenngleich der Markt nicht einfach für Unternehmensberatungen ist. Dies liegt zum einen an der großen Anzahl der vorhandenen Player auf dem Markt, die sich über Jahre etabliert haben, aber zum anderen auch an einigen Spezifika der Industrie. Er sieht hohe Eintrittsbarrieren für neue Unternehmen, da man nach seiner Aussage zuerst „Klinken putzen muss“, um eine gewissen Stand im Markt zu haben bzw. sich einen Ruf aufzubauen, der sich in der gut vernetzten Branche schnell verbreitet. Wenn man sich durch ein spezielles Produkt oder eine Dienstleistung, die ein Alleinstellungsmerkmal darstellt, einen Namen gemacht hat, dann muss man im Idealfall keine Akquise mehr betreiben, da die Unternehmen dann direkt zum Beratungshaus kommen. Er fügt aber auch an, dass diese Situation nur eine geringe Zahl der vielen aktiven Unternehmensberatungen im Allgemeinen und insbesondere in der Fitnessindustrie genießen kann. Studentische Unternehmensberatungen, wie z.B. die Tempomacher Consulting UG, die darüber hinaus
die erste ihrer Art in der Fitnessindustrie ist, findet er „sympathisch“ und er freut sich, dass es immer wieder Existenzgründer gibt, da er mit solchen auf Seiten der Fitnessstudios tagtäglich zusammenarbeitet und die Schwierigkeiten zu Beginn einer Gründung nur zu gut kennt, da beispielweise bei Fitnessstudios aufgrund der Ausstattung ein hohes Startkapital benötigt wird. Einem jungen Unternehmen empfiehlt er, sich durch ein neues Produkt von der etablierten Konkurrenz abzuheben, wobei dieses Produkt vom Markt auch als passend für ein junges Unternehmen wahrgenommen werden sollte.