Struktur vereinseigener Fitnessanlagen

Diese Analyse setzt sich mit der Struktur vereinseigener Fitnessanlagen auseinander. Am Beispiel von Baden-Württemberg werden die Positionierung, der Leistungsumfang sowie die Preisstruktur von 38 vereinseigenen Fitnessanlagen analysiert und dargestellt. Im Anschluss daran wird ein Vergleich zu den kommerziellen Anlagen gezogen, um sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zwischen den Fitnessanlagen unter unterschiedlicher Rechtsformen aufzuzeigen.

Hinführung zur Thematik

Seitdem Sportvereine im größeren Maße mit eigenen Fitnessstudios auf den Fitnessmarkt zu drängen beginnen, ist zwischen den kommerziellen und den gemeinnützigen Anbietern ein Streit über die gegenseitige Konkurrenzsituation entstanden. Verschiedene Initiativen wurden auf kommerzieller Seite gegründet, um auf die nach ihrer Meinung ungleiche Behandlung aufmerksam zu machen, die zulasten der kommerziellen Fitnessstudios gehen würde. Inwiefern dies zutrifft oder nicht, kann in dieser Analyse ausdrücklich nicht abschließend festgestellt werden.

Diese Analyse dagegen möchte sich grundsätzlich mit der Frage beschäftigen, wie sich die Struktur vereinseigener Fitnessstudio in Deutschland darstellt. In diesem Zusammenhang möchte diese Analyse ebenso einen ersten Vergleich anhand der erhobenen Daten zwischen den drei Segmenten Einzelbetriebe (kommerziell), Kettenbetriebe (kommerziell) und vereinseigener Fitnessstudios wagen.

Zu Beginn wird die Vorgehensweise im Rahmen der Datenerhebung vorgestellt, bevor diese ausgewertet wird. Im Rahmen der Auswertung wird auch der angesprochene Vergleich zwischen den drei Fitness-Segmenten vorgenommen. In einem abschließenden Fazit werden die Ergebnisse zusammengefasst, Schwächen der vorliegenden Analyse dargestellt und ein Ausblick auf weitere noch vorzunehmende Analysen gegeben.

Methodik der Untersuchung

In einem ersten Schritt wurden Vereine in Baden-Württemberg recherchiert, welche über ein vereinseigenes Fitnessstudio verfügen. Hierzu wurden die Vereinsregister des Freiburger Kreis (vgl. http://www.freiburger-kreis.de/de/mitgliedsvereine), des Netzwerk SVZ (vgl. http://www.netzwerk-svz.de/) sowie des Qualitätssiegels „SPORT PRO FITNESS“ (vgl. http://www.sportprogesundheit.de/de/sport-und-gesundheit/sport-pro-fitness/studios-in-ihrer-naehe/) zu Hilfe genommen. Zusätzlich wurden die ersten 250 Google-Suchergebnisse nach „Vereinseigenes Fitnessstudio Baden-Württemberg“ begutachtet. Hierbei wurden insgesamt 38 vereinseigene Fitnessstudios ermittelt.

Für sämtliche zuvor ermittelte vereinseigene Fitnessstudios wurden anschließend ihre Positionierung, ihr Leistungsumfang und ihre individuelle Preisstruktur ermittelt. Die einzelnen Aspekte wurden gemäß der Definition der DSSV-Eckdaten analysiert (vgl. Kamberovic et al. 2015, S. 32ff). Die Positionierung wurde anhand der Einschätzung des Autors basierend auf der öffentlichen Darstellung des vereinseignen Fitnessstudios vorgenommen. In Bezug auf die Preisstruktur wurden die monatlichen Kosten einer 12-monatigen Mitgliedschaft einschließlich der Grundgebühren des Gesamtvereins verwendet. Auch wenn die Bereitschaft zur öffentlichen Preisgabe der Preise höher ist als bei kommerziellen Anbietern, so konnten nur für 33 vereinseigene Fitnessstudios Preise ermittelt werden. Die Bewertung der einzelnen Aspekte erfolgte auf Basis der öffentlich zugänglichen Informationen auf den Homepages der Vereine bzw. der vereinseigen Fitnessstudios.

Die Untersuchung fand im Monat November des Jahres 2015 statt.

Ergebnisse der Untersuchung

Im Folgenden sollen nun die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst werden:

Im ersten Schritt wird die Positionierung der Einzel- und Kettenbetriebe aus den DSSV-Eckdaten 2015 (vgl. Kamberovic et al. 2015, S. 32) den ermittelten Positionierungen der vereinseigenen Fitnessstudios gegenüber gestellt. Dies ist in der folgenden Abbildung zusammengefasst:

Anlagen nach Positionierung

Abbildung 1: Anlagen nach Positionierung
Quelle: eigene Abbildung basierend auf Kamberovic et al. (2015): S. 32

Sieht man von der Positionierungsoption „Lifestyle“ ab, so ist eine hohe Ähnlichkeit in der Positionierung der einzelnen Anlagentypen nicht auszuschließen. Sowohl die Positionierungsalternativen „Training“, „Gesundheit“ und „Wellness“ weisen nur geringe Abweichungen zwischen den unterschiedlichen Anlagentypen auf. Ähnlich wie kommerzielle Anbieter konzentrieren sich auch vereinseigene Fitnessstudios hauptsächlich auf die Bereiche „Training“ und „Gesundheit“.

In einem zweiten Schritt soll nun der Leistungsumfang der einzelnen Anlagentypen beschrieben und dargestellt werden. Auch hier werden wieder zum Vergleich die Ergebnisse der DSSV-Eckdaten 2015 (vgl. Kamberovic et al. 2015, S. 33) herangezogen. Die Ergebnisse sind der folgenden Abbildung zu entnehmen.

Anlagen nach Leistungsumfang

Abbildung 2: Anlagen nach Leistungsumfang
Quelle: eigene Abbildung basierend auf Kamberovic et al. (2015): S. 33

Ähnelten sich die einzelnen Anlagentypen im Rahmen der Positionierung zuvor noch recht stark, so wird im Leistungsumfang der Unterschied deutlich. Vereinseigene Fitnessstudios scheinen sich im Vergleich zu Einzel- und Kettenbetrieben deutlich stärker auf das Kernangebot (Gerätegestütztes Krafttraining, gerätegestütztes Herz-Kreislauf-Training, Gruppentraining) zu fokussieren. Dieses wird häufig um Wellness und gastronomische Angebote ergänzt. Alle anderen Zusatzangebote sind mit 20 Prozent und weniger in den untersuchten vereinseigenen Fitnessstudios stark unterrepräsentiert. Einzel- und Kettenbetriebe dagegen bieten diese zusätzlichen Angebote in den meisten Fällen (Ausnahmen: Schwimmbad und Racket) deutlich häufiger an.

Zu guter Letzt soll nun die Preisstruktur betrachtet werden. Der durchschnittliche monatliche Preis bei einer 12-monatigen Mitgliedschaft (inklusive Vereinsgrundbeitrag) beläuft sich in den untersuchten vereinseigenen Fitnessstudios auf 41,65 Euro. Dieser liegt zwischen dem der Kettenbetriebe (36,70 Euro) und dem der Einzelbetriebe (53,20 Euro) (vgl. Kamberovic et al. 2015, S. 34). Um einen genaueren Vergleich zu ermöglichen, soll in der folgenden Abbildung die Verteilung auf die verschiedenen Preisklassen vorgenommen werden.

Preisstruktur

Abbildung 3: Preisstruktur
Quelle: eigene Abbildung basierend auf Kamberovic et al. (2015): S. 34

Betrachtet man die vorherige Abbildung wird deutlich, dass vereinseigene Fitnessstudios in ihrer preislichen Struktur zu zwei Drittel im unteren Bereich des mittleren Preissegments anzutreffen sind. Darüber hinaus siedeln sie sich zu 97 Prozent im Medium-Preissegment (26 – 65 Euro) an. Dies unterscheidet sie zwar deutlich zu den Kettenbetrieben, allerdings ist hier eine Ähnlichkeit zu den Einzelbetrieben, welche sich zu 75 Prozent in diesem Preissegment aufhalten, nicht abzustreiten. Diese allerdings gehen eher den oberen Bereich des mittleren Preissegments an.

Fazit

Fasst man die Ergebnisse zusammen, so kann festgehalten werden, dass vereinseigene Fitnessstudios meist trainings- und gesundheitsorientierte Anbieter darstellen. Sie beschränken sich in ihrem Angebot auf die Kernleistungen von Fitnessanbietern (gerätegestütztes Krafttraining, gerätegestütztes Herz-Kreislauf-Training, Gruppentraining), welche häufig um Wellness und Gastronomie-Angebote ergänzt werden. Diese Leistung erbringen sie zu einem Preis, welcher im unteren Bereich des mittleren Preissegments (26 – 45 Euro) anzusiedeln ist.

Eine Konkurrenzbeziehung zu Kettenbetrieben dürfte sich damit in Grenzen halten. Die Angebote erweisen sich hier in vielerlei Hinsicht als klar abgrenzbar.

Dagegen kann eine Konkurrenzbeziehung zu Einzelbetrieben nicht ausgeschlossen werden, da beide Anlagentypen in einem ähnlichen Preissegment agieren. Einzelbetriebe können sich allerdings über Zusatzangebote von den Angeboten vereinseigener Fitnessstudios klar abgrenzen, da diese Zusatzangebote bisher nicht in größerem Maße in ihren Leistungsumfang aufgenommen haben. Dies ist Einzelbetrieben auch mit Blick auf die allgemeine Entwicklung der Fitnessbranche wärmstens zu empfehlen ist (vgl. Bechler 2014, S. 4/5).

Die vorliegende Analyse kann die Frage nach einer eventuellen Konkurrenzbeziehung zwischen kommerziellen Fitnessanlagen und vereinseigener Fitnessstudios nicht endgültig beantworten. Die dargestellten Gemeinsamkeiten lassen dies zwar sicherlich möglich erscheinen, allerdings fehlt es an handfesten Belegen dazu. Es ist denkbar, dass vereinseigne Fitnessstudios (zumindest teilweise) ein Kundensegment ansprechen, dass durch die kommerziellen Fitnesseinrichtungen nicht angesprochen wird. Dies würde eine weitere Öffnung des Fitnessmarktes zu weiteren Kundensegmenten durch die vereinseigenen Fitnessstudios bedeuten. Um dieser Frage weiter nachgehen zu können, wäre eine zeitliche Analyse von Fitnesseinrichtungen an Standorten nötig, an denen vereinseigene Fitnessstudios eröffnet haben. Eine solche Analyse würde die Einbindung eines stellvertretenden Verbands der deutschen Fitnesswirtschaft nötig machen. Gerne steht der Autor dieser Analyse für eine solche zur Verfügung.

Im Rahmen dieser Analyse gilt es zu beachten, dass es sich um eine „Fernanalyse“ auf Basis der öffentlichen Darstellung der vereinseigenen Fitnessstudios handelt. Insbesondere gilt es in Bezug auf die Positionierung zu beachten, dass die Vergleichsdaten der DSSV-Eckdaten auf Basis der persönlichen Einschätzung der Fitnesseinrichtungen selbst basieren, während diese Analyse auf Basis der persönlichen Eindrücke des Autors fußte. Darüber hinaus befinden sich alle untersuchten vereinseigenen Fitnessstudios in Baden-Württemberg. Andere Bundesländer wurden in diese Untersuchung nicht eingebunden. Somit kann die absolute Übereinstimmung der erhobenen Daten mit der Realität nicht garantiert werden. Eine Analyse mit einem entsprechenden Anspruch macht die Einbindung der Sportverbände und -vereine in den Analyseprozess notwendig, was in diesem Rahme leider nicht geschehen konnte. Grundsätzlich steht der Autor dieser Analyse auch einer solchen Zusammenarbeit für eine konkrete und flächendeckende Analyse der deutschen Landschaft vereinseigener Fitnessstudios im besonderen Maße aufgeschlossen gegenüber.

 

Gerne stellen wir Ihnen diesen Newsletter als pdf-Dokument zum Download zur Verfügung: Struktur vereinseigener Fitnessanlagen

 

Literaturverzeichnis

Bechler, Andreas (2014): „Die Entwicklung von Einzelstudios in Deutschland“, abzurufen unter http://www.tempomacher-consulting.de/newsletter/erster_newsletter_die_entwicklung_von_einzelstudios_in_deutschland.html, Stand: 14.06.2014

Kamberovic, Refit / Fütterer, Sabrina / Hollasch, Karsten / Menzel, Fabian / Capelan, Ralf / Papathanassiou, Vassilios (2015): „Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft“, DSSV e.V., Hamburg