Wirtschaftlichkeit eines 9,90-Euro-Fitnessstudios

Diese Analyse setzt sich mit dem neuen Konzept von Fitnessstudios mit einem monatlichen Beitrag von 9,90 Euro auseinander. Anhand der in der aktuellen Presse kontrovers diskutierten neuen Fitnesskette „High5″ wird eine beispielhafte Berechnung der Wirtschaftlichkeit einer 9,90-Fitnessanlage vorgenommen. Diese Analyse beschränkt sich dabei auf die Gegenüberstellung von Umsatz und Kosten, um sowohl den Break-Even Point als auch eine angemessene EBITDA-Marge im Verhältnis zur Mitgliedersituation zu bestimmen. Abschließend wird eine Bewertung der Wirtschaftlichkeit einer Fitnessanlage mit einem monatlichen Beitrag von 9,90 Euro vorgenommen.

Hinführung zur Thematik

Seit die Firma McFit ihre Pläne veröffentlicht hat, mit der neuen Fitnesskette „High5“ und einem monatlichem Beitrag von lediglich 9,90 Euro den Fitnessmarkt weiter nach unten zu öffnen, ist in der Fitnessbranche ein Streit über die Wirtschaftlichkeit einer solchen Fitnessanlage entbrannt. Teilweise wird der Firma McFit sogar vorgeworfen, lediglich eine Verdrängungsstrategie umsetzen zu wollen (vgl. http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/high5­mcfit­billigkette­spart­an­trainern/11570494.html).

Im Folgenden soll anhand einer beispielhaften Wirtschaftlichkeitsberechnung grundsätzlich untersucht werden, ob sich eine Fitnessanlage mit einem Monatsbeitrag von 9,90 Euro wirtschaftlich darstellen lässt. In dieser Analyse wird dabei der sogenannte EBDITA (Earnings Before Depreciation, Interest, Taxes and Amortization) berechnet, was eine bessere Vergleichbarkeit mit den aus den jährlichen Deloitte-Studie des deutschen Fitnessmarktes ermittelten wirtschaftlichen Kennzahlen der großen Kettenanbieter ermöglicht. Darüber hinaus soll in Erfahrung gebracht werden, welche Mitgliederzahl für eine Deckung der anfallenden Kosten und welche für eine angemessene EBITDA-Marge benötigt wird. Nachdem zuerst die Umsatzseite und anschließend die Kostenseite betrachtet werden, fließen beide Berechnungen in die Gesamtberechnung ein. Das Konzept der High5-Fitnesskette soll hier lediglich als Beispiel verwendet werden, ob eine preislich entsprechend positionierte Fitnessanlage wirtschaftlich dargestellt werden kann. Zwangsläufig müssen auch diverse Annahmen getroffen werden, die zwar mit größter Sorgfalt getroffen wurden, deren Korrektheit aber nicht garantiert werden kann.

Beispielhafte Umsatzberechnung

Im ersten Schritt wird nun die Umsatzseite betrachtet. Diese bestimmt sich im Wesentlichen über die laufenden Mitgliedseinnahmen. Hierbei sind selbstverständlich Nettopreise zu verwenden, so dass der monatliche Nettobeitrag mit 8,32 Euro zu bemessen ist. Betrachtet man allerdings die Preisstruktur von High5 als Beispiel für eine 9,90-Euro-Fitnessanlage, so kann festgestellt werden, dass diverse Zusatzoptionen existieren. So kann bspw. anstatt eines 24monatigen Vertrags ein 12monatiger Vertrag für einen Aufpreis von 5,- pro Monat sowie diverse weitere Zusatzangebote (bspw. „BRING-A-FRIEND OPTION“ oder „ALL HIGH5 GYMS OPTION“) hinzugebucht werden (vgl. https://www.high5.com/tarife/), was den Umsatz pro Mitglied steigen lässt. Aus diesem Grund wird in dieser Berechnung auf den Nettomonatsbeitrag der durchschnittliche Nettoumsatz aus Zusatzeinnahmen hinzuaddiert. Dieser betrug 2013 4,40 Euro pro Monat je Mitglied (vgl. berechnet aus Kamberovic/Fütterer/Gronau/Hollasch/Capelan/Papathanassiou 2014, S. 45), was mit Blick auf die High5-Preisstruktur durchaus als realistisch angesehen werden kann.

Eine weitere Einnahmequelle stellen selbständige Personal-Trainer dar, die auf eigene Rechnung Ihre Dienste die Kunden der Fitnessanlage anbieten (vgl. https://www.high5.com/tarife/). Diese werden, wie es innerhalb der Fitnessbranche gängige Praxis ist, Mieteinnahmen an die Fitnessanlage bezahlen müssen. Aus der Praxis sind hier Mieteinahmen je Personal-Trainer von ca. 300,00 – 400,00 Euro bekannt. High5 wirbt damit, dass deren Stundenhonorare im Vergleich zum Branchendurchschnitt geringer ausfallen sollen (vgl. http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/high5­mcfit­billigkette­spart­an­trainern/11570494.html). Dies hat aber zwangsläufig zur Folge, dass auch die erzielbaren Mieteinnahmen geringer sein müssen, so dass diese Berechnung von einem monatlichen Mietpreis von 200,00 Euro pro Personal-Trainer ausgeht. Es wird angenommen, dass gleichzeitig drei Personal-Trainer in einer Anlage tätig sind.

Der auf diese Weise erzielbare Umsatz in Abhängigkeit der Mitgliederzahl kann der folgenden Tabelle entnommen werden:

Tabelle 1: Gesamtumsatzberechnung
Tabelle 1: Gesamtumsatzberechnung
Quelle: Eigene Berechnung

Beispielhafte Kostenberechnung

Im zweiten Schritt soll nun die Kostenseite betrachtet werden. In diesem Rahmen werden die Personalkosten, aufgrund ihrer besonderen Bedeutung für ein Fitnessstudio im Discount-Segment, gesondert betrachtet und diskutiert, während sämtliche weitere Kostenfaktoren gesammelt betrachtet werden.

Personalkostenrechnung

Ein typisches Fitnessstudio mit einem Preis von 9,90 Euro pro Monat verfügt über eine/n festangestellte/n Studioleiter/-in (vgl. http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/high5­mcfit­billigkette­spart­an­trainern/11570494.html). In dieser Analyse wird davon ausgegangen, dass der/die Studioleiter/-in über eine Fachwirt/Meisterqualifikation (IHK) verfügt. Somit beträgt das monatliche Bruttogehalt gemäß DSSV-Gehaltsrichtlinien 2.090,00 Euro (vgl. Fütterer/Kamberovic/Kündgen 2013: S. 4), was für den Arbeitnehmer eine jährliche Gesamtbelastung von 29.926,71 Euro führt (berechnet mit AOK-Gehaltsrechner: https://www.aok-business.de/hessen/tools-service/gehaltsrechner (15.04.2015)).

Tabelle 2: Berechnung Personalkosten (Studioleitung)
Tabelle 2: Berechnung Personalkosten (Studioleitung)
Quelle: AOK-Gehaltsrechner

Es wird davon ausgegangen, dass neben der Studioleitung nur noch Mitarbeiter/-innen im Service fest angestellt sind und sich eine Person aus dem Serviceteam zu jeder Zeit sich im Fitnessstudio befindet. Legt man eine Öffnungszeit von 16 Stunden an Werktagen und 12 Stunden an Wochenenden bzw. Feiertagen (vgl. https://www.high5.com) zu Grunde sowie eine Anzahl von 12 Feiertagen (nicht Wochenende, Baden-Württemberg, vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Feiertage_in_Deutschland), 101 Samstage bzw. Sonntag und somit 249 Werktage, so sind insgesamt 5.333,71 Arbeitsstunden durch das Servicepersonal zu leisten. Eine einzelne Arbeitskraft leistet pro Jahr bei 9,5 Krankheitstagen (vgl. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/QualitaetArbeit/Dimension2/2_3_Krankenstand.html) und 20 Urlaubstagen (vgl. Fütterer/Kamberovic/Kündgen 2013: S. 2) eine Nettoarbeitszeit von 1.842,40 Stunden. Somit wären 2,89 Stellen im Service nötig. Unter der Annahme des Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde, bedeutet dies eine Belastung des Arbeitgebers von 21.080,44 Euro pro Stelle (berechnet mit AOK-Gehaltsrechner: https://www.aok-business.de/hessen/tools-service/gehaltsrechner (23.05.2015)) und eine Gesamtbelastung von 61.027,49 Euro aufgrund des gesamten Servicepersonals.

Tabelle 3: Berechnung Personalkosten (Service)
Tabelle 3: Berechnung Personalkosten (Service)
Quelle: Eigene Berechnung

Sonstige Kostenfaktoren

Sämtliche weiteren Kostenfaktoren werden entsprechend den branchenüblichen Kennzahlen verwendet. Aufgrund dessen wird auf eine tiefergehende Erläuterung verzichtet. Sämtliche verwendete Kennzahlen inklusive der jeweiligen Quellenangabe können Sie der folgenden Tabelle entnehmen. Da in diesem Rahmen nur der EBDITA berechnet wird, müssen Zinsen, Steuern und Abschreibungen nicht beachtet werden.

Tabelle 4: Kostenfaktoren und -richtwerte inkl. Quellenangabe
Tabelle 4: Kostenfaktoren und -richtwerte inkl. Quellenangabe
Quelle: Eigene Berechnung

Beispielhafte Gesamtrechnung

Abschließend werden nun die Umsatz- und Kostenwerte einander gegenüber gestellt. Als Fläche einer beispielhaften Fitnessanlage wird ein Wert von 1.050 qm angenommen, da ein typisches 9,90-Euro-Fitnessstudio eine Größe zwischen 800 und 1.300 qm haben soll (vgl. http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/high5-mcfit-billigkette-spart-an-trainern/11570494.html). Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden lediglich Ganze Zahlen angegeben. Um den Vergleich mit den etablierten Anbietern zu ermöglichen wird abschließend die EBITDA-¬Marge berechnet, welche als das Verhältnis von EBITDA zu Umsatz definiert ist (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/EBITDA).

Tabelle 5: Gesamtberechnung
Tabelle 5: Gesamtberechnung
Quelle: Eigene Berechnung

Der Break-Even Point, der Moment, an dem das Fitnessstudio die Gewinnschwelle erreicht, wird bei einer Mitgliederzahl von knapp unter 2.000 Mitgliedern erreicht.

Schlussfolgerungen

Die zuvor dargestellte Gesamtberechnung soll nun in den Zusammenhang zu den bekannten und gängigen Kennzahlen aus der Fitnessbranche gebracht werden.

Aus der Gesamtberechnung geht hervor, dass eine 9,90-Euro-Fitnessanlage durchaus eine Mitgliederzahl von 3.000 Personen und mehr benötigt, um langfristig wirtschaftlich arbeiten zu können. Gemessen an den Mitgliedern pro Quadratmeter, ergibt dies einen Wert von über drei Mitgliedern auf den Quadratmeter. Ein Wert, der für Discount-Anbieter im Fitnessbereich durchaus als realistisch angesehen werden kann .

Vergleichen wir die EBITDA-Marge, so kommen wir innerhalb des realistischen Bereichs von ca. drei bis fünf Mitgliedern auf den Quadratmeter auf einen Wert von 27% bis 48%. Eine vergleichbare EBITDA-Marge wie der Branchenprimus McFit (36,6 % ) zu erreichen, dürfte damit zwar ein ambitioniertes aber nicht unrealistisches Ziel sein. Eine solche EBITDA-Marge wäre bei einer durchschnittlichen Mitgliederzahl von ca. 3.700 Personen erreichbar, was durch eine Discount-Anlage mit 1.050 qm erreicht werden kann.

Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass diese Analyse im Zusammenhang mit der EBITDA-Marge zwangsläufig nur die Wirtschaftlichkeit einer einzelnen 9,90-Euro-Fitnessanlage mit der Marge ganzer Konzerne vergleichen kann. Durch die Verwendung umsatzbezogener Kostenfaktoren kann aber zumindest ansatzweise eine Art Abgabe an eine Konzernzentrale für zentral ausgerichtete Aktivitäten wie Beratung, Marketing, etc. simuliert werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Vorwurf der Verdrängungsstrategie nicht belegbar ist. Eine 9,90-Euro-Fitnessanlage ist durchaus wirtschaftlich darstellbar und benötigt hierfür keine unrealistischen Mitgliederzahlen. Die Erzielung einer ähnlichen EBITDA-Marge wie die etablierter Anbieter ist dabei durchaus im Rahmen des Möglichen anzusiedeln.

 

Gerne stellen wir Ihnen diesen Newsletter als pdf-Dokument zum Download zur Verfügung: Wirtschaftlichkeit eines 9,90-Euro-Fitnessstudios

 

Literaturverzeichnis

Hollasch, Karsten / Menzel, Fabian / Gronau, Niels / Struckmeier, Johannes / Kremer, Jan (2014): Der deutsche Fitnessmarkt. Studie 2014, München

Kamberovic, Refit / Fütterer, Sabrina / Kündgen, Werner (2013): Gehaltsrichtlinien, Hamburg

Kamberovic, Refit / Fütterer, Sabrina / Gronau, Niels / Hollasch, Karsten / Capelan, Ralf / Papathanassiou, Vassilios (2014): Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft, Hamburg